Pflegenotstand: Berliner Feuerwehr hilft bei Personalmangel in Pflegeheimen

Als ob die Berliner Feuerwehr nicht schon genug zu tun hätte! Im Durchschnitt 43 Mal am Tag fährt die Berliner Feuerwehr zum Einsatz in Pflegeheime. Doch statt einem Notfall, ist oft „nur“ der Pflegenotstand der Grund für den Notruf. Denn der dramatische Personalmangel in vielen Pflegeheimen hat Folgen: Wenn ein Patient aus dem Bett gefallen ist und ihm oder ihr eigentlich nichts weiter fehlt, als Hilfe um wieder ins Bett zu kommen, dann ruft die Pflegekraft häufig nicht ihre Kollegin, weil sie alleine Dienst hat, sondern den Notruf 112. Stürze machen rund 20% der 15.675 Feuerwehreinsätze in Pflegeheimen aus, die es innerhalb eines Jahres gab. 

Manchmal sind die Pflegekräfte wegen Unterbesetzung nicht  in der Lage, sich um alle Bewohner des Pflegeheims zu kümmern und versuchen schwere Fälle per Feuerwehr ins Krankenhaus bringen zu lassen. Es gibt sehr große Pflegeheime in denen der Nachtdienst nur mit zwei oder drei Pflegekräften besetzt ist. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr haben es bei diesen Einsätzen schwer: Sie mussten die Patienten im Heim oft selbst suchen, Pflegekräfte konnten wegen mangelhafter Übergabe oder Kenntnis der Bewohner oft nicht zu einer zutreffenden medizinischen Einschätzung beitragen,  bisweilen lagen Bewohner Stunden lang im Erbrochenen. Es ist sogar schon vorgekommen, dass die Feuerwehr in einem Heim für mehrere Stunden die dort lebenden Menschen beaufsichtigen musste. 

Dabei wären schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Feuerwehreinsätze dort nicht mehr nötig, wenn es ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal in den Pflegeheimen gäbe, das genug Zeit für die einzelnen die Bewohner hat, um sie kennenzulernen und um vernünftige Übergaben beim Schichtwechsel zu machen. Keine Wunder, dass die Rettungskräfte der Feuerwehr dringend etwas ändern wollen. Eine Arbeitsgruppe soll nach Lösungen suchen, damit Pflegeheime nicht weiterhin ihre Personalmangel per Notruf lösen. Dabei behalten sich die Berliner Retter ausdrücklich vor, wenn es sein muss, künftig bei den zuständigen Stellen auf unhaltbare Missstände hinzuweisen.

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