Kampagne gegen Pflegenotstand

Die Maßnahmen von Gesundheitsminister Jens Spahn haben keine Verbesserung gebracht. Trotz Herausnahme der Pflege am Bett aus den Fallpauschalen der Krankenhäuser wurden kaum zusätzliche Stellen geschaffen. Die Beschäftigten sind nach wie vor überlastet. Deshalb hängen viele Pflegekräfte ihren Beruf vorzeitig an den Nagel.

Es ist Zeit, endlich auszubrechen aus dem Teufelskreis schlechter Arbeitsbedingungen, geringer Bezahlung und Mangel an Personal!

FAQ - Fragen und Antworten zu unserer Pflegekampagne

Kurzfristig kann der Personalmangel in der Pflege nur durch die Rückkehr von Fachkräften gedeckt werden, die nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Von den 625 000 Pflegekräften, die in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland ausgebildet wurden, haben über die Hälfte, etwa 335 000, ihren Beruf hingeschmissen. Die PflegeComeBack-Studie schätzt, dass 120 000 bis 200 000 ausgebildete Pflegekräfte bereit wären in ihren Beruf zurückzukehren, wenn sich die Arbeitsbedingungen verbessern. Das heißt laut der Studie: mehr Personal und bessere Bezahlung.

Damit eine Pflegeausbildung für junge Menschen attraktiv ist und sie später in dem Beruf auch weiter arbeiten wollen, braucht es ebenfalls bessere Arbeitsbedingungen, eine Entlastung der Beschäftigten sowie höheres  Ansehen und bessere Bezahlung. Für alle Krankenhäuser und Pflegeheime muss es außerdem verbindliche Ausbildungsvorgaben geben.

Eine Erhöhung des Grundentgelts um 500€ macht eine Rückkehr in den Pflegeberuf und eine Ausbildung als Pflegekraft attraktiver. Und sie ermöglicht Pflegekräften, zur Entlastung ihre Stundenzahl zu reduzieren statt den Job ganz aufzugeben, und wirkt so dem Weggang der Pflegekräfte entgegen.

Für kommunale, öffentliche und gemeinnützige Krankenhäuser, die keine Gewinne erwirtschaften, fordern wir eine Überbrückungsfinanzierung durch einen Sonderfonds im Bundeshaushalt. Private Einrichtungen sollen das aus den Profiten bezahlen, die sie jahrelang auf Kosten der Beschäftigten und der Allgemeinheit erzielt haben.

Mittelfristig wollen wir eine solidarische Gesundheitsversicherung einführen, in die alle Bürger  einzahlen, und so die Kosten decken.

Wenn der Pflegenotstand beendet ist, würden für die Gesellschaft viele Kosten wegfallen: Wenn Pflegekräfte den Beruf wechseln, entstehen Ausbildungskosten und auch durch Burnouts entstehen Kosten für die Krankenkassen.

500 Euro mehr im Monat würde für 1,7 Millionen Pflegekräfte in Krankenhäusern 8,5 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Die Kosten für eine dreijährige Pflegeausbildung betragen etwa 60.000 Euro. Derzeit wird ein Drittel der 1,7 Millionen als Burnout-gefährdet eingeschätzt. Geht man von nur 10 Prozent der Beschäftigten aus, die ihren Beruf aufgeben, sind das für 170 000 Krankenpflegekräfte allein 10,2 Milliarden Euro an Ausbildungskosten.

Wir wollen eine Pflegevollversicherung, die alle pflegebedingten Leistungen umfasst. Menschen mit Pflegebedarf und ihre Familien müssen keine Eigenanteile zahlen. Alle Menschen zahlen in eine solidarische Pflegeversicherung ein, auch die derzeit privat versicherten Gutverdiener.

Bei einer solidarischen Finanzierung von Gesundheits- und Pflegeversicherung wird die Finanzierung auf alle Schultern verteilt. Auch Beamtinnen und Beamte, Abgeordnete, Selbständige, Menschen mit hohen Einkommen und Kapitaleinkünften zahlen in die Versicherung ein. Deshalb werden bei einem monatlichen Einkommen von bis zu  6.300 Euro die Versicherungsbeiträge sinken.

Wie sich die individuellen Beiträge verändern lässst sich  mit dem Beitragsrechner der LINKEN Bundestagsfraktion ausrechnen

Wer pflegebedürftig ist, muss selbst entscheiden können, an welchem Ort er oder sie gepflegt werden möchte. Pflege zu Hause wird meist von Ehefrauen und Töchtern geleistet, oft an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Viele können sich die Zuzahlungen für professionelle Pflege nicht leisten. Wenn sie für die Pflege ihre Arbeitszeit reduzieren, drohen im Alter Niedrigrenten und Armut. Um eine neue Pflegesituation für Angehörige organisieren zu können, wollen wir einen Rechtsanspruch auf eine sechswöchige Pflegezeit einführen. Wer zu Hause gepflegt wird, hat ebenfalls professionelle Pflege verdient. Indem die medizinische Pflege auch zu Hause von ausgebildeten Fachkräften ausgeführt wird, können Gepflegte und ihre Angehörigen sich wieder auf das konzentrieren, worauf es wirklich ankommt: ein liebevolles und fürsorgliches Miteinander. Wir wollen eine => solidarische Pflegeversicherung, die alle Kosten der Pflege abdeckt, Zuzahlungen entfallen. Und wir setzen uns für eine generelle Verkürzung der Arbeitszeiten auf 28 – 35 Stunden in der Woche ein, damit alle Menschen mehr Zeit für sich, ihre Familie und Sorgearbeit haben.

Zu den Pflegeleistungen der Pflegeversicherung gehört auch Assistenz und solange wie möglich Teilhabe am öffentlichen Leben. Alle Menschen sollen selbst entscheiden können, wo und wie sie leben möchten. Auch Assistenzgeberinnen und Assistenzgeber brauchen dafür gute Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung. Dann werden sich mehr Menschen dafür entscheiden, in der Assistenz zu arbeiten.

Ein erster Schritt: Den Aufruf hier auf der Seite unterzeichnen. Dort kannst du dich auch in den Newsletter der Kampagne eintragen, Material bestellen oder dich mit anderen Pflegekräften in der LINKEN vernetzen. Viele Kreisverbände organisieren außerdem Aktionen zum Pflegenotstand. Dein Kreisverband ist noch nicht dabei? Dann sprich es auf der nächsten Sitzung an, damit ihr etwas auf die Beine stellen könnt. Du bist nicht Mitglied in der LINKEN? Macht nichts! Wir freuen uns, wenn du dich an Aktionen beteiligst, Material bestellst und mit Leuten in deinem Umfeld ins Gespräch kommst. Und was nicht ist, kann ja noch werden.